Bewertungssystem

Wer Punkte verteilt ist bloß zu faul vernünftig zu formulieren. So oder ähnlich schrieb einst ein weiser Weinkritiker, dessen Namen ich nicht vergessen konnte, weil ich ihn mir gar nicht erst gemerkt habe. Aber Recht hat er, der Kritiker. Ich versuche hier auch lieber zu formulieren anstatt Punkte zu verteilen.

Die Mehrzahl der hier positiv besprochenen Weine erhielte auf einer 100-Punkte-Skala, wie sie in der Weinwelt üblich ist, zwischen 85 und 89 Punkten. Klingt die Beschreibung so, als hätte ich beim Schreiben ein Funkeln in den Augen gehabt, wären es mehr.

Manchmal gibt es aber doch Punkte, meist weil ich meine eigenen Formulierungen nicht für eindeutig halte. Es ist halt nur ein Hobby-Blog und nicht immer reicht die Zeit für den letzten Schliff.

Punkte sind der Versuch, etwas objektiv erscheinen zu lassen, was total subjektiv bleibt und obendrein Verlässlichkeit vorzugaukeln, wo Willkür regiert. Ich bin mir dessen bewusst, meine regelmäßigen Leser auch.

Wenn ich also mal wieder subjektiv und willkürlich bin, gilt ungefähr diese Skala:

Unter 70: Fehlerhaft. Nicht korkig, denn das wäre die Flasche und nicht der Wein generell. Eher eiweißtrüb oder muffig, UTA etc.

70 bis 74: Was verkehrsfähig ist oder nicht, beurteilt in Deutschland die Weinkontrolle. Ich maße mir nicht an, es besser zu können, aber in dieser Punktekategorie würde ich zumindest gerne mal fragen, wie es zu dem Urteil kam.

75 bis 79: Kann man trinken, muss man aber nicht. Bei 75 trinke ich vielleicht mein Glas aus, wenn man es mir in die Hand drückt (es gibt ein Eich-Maß für 75 Punkte: Aldi-Prosecco zum Anstoßen bei Menschen, die damit irgendwas feiern wollen.) Bei 79 ist’s dann schon ein Wein, bei dem ich auch das zweite gereichte Glas austrinke (ohne aber unbedingt eins haben zu wollen).

80 bis 84: Ab hier wird selbsttätig nachgeschenkt. Gute Weine, die man mit Vergnügen trinken kann. Wenn ich einen Wein aus dem Keller hole und er entpuppt sich als Mitglied dieser Kaste, werden mindestens zwei Viertele geschlotzt, am dritten Abend mag ich oft nicht mehr. Zuletzt passierte das hier.

85 bis 89: Sehr gute Weine, die im wahrsten Sinne des Wortes hervorragend sind. Ich versuche, meinen Weinkeller mit Weinen zu füllen, die mindestens diesen Standard haben. Die meisten Weine, über die ich mich in diesem Blog positiv äußere, ohne eine Punktzahl zu nennen, spielen in dieser Liga.

90: Dies ist keine lineare Skala. 90 ist vermutlich etwas breiter als andere Punkte, eine eigene Kategorie: magische Weine halt.

91-94: Das sind Weine, die mit Anlauf die magische 90er-Schwelle überspringen. Weine, die schon nach zwei Sekunden am Gaumen das Signal senden: Klappe halten, zurücklehnen, jetzt rede ich. Ich bin bestimmt nicht der Einzige, der bei diesen Weinen gerne sagt: Er spricht zu mir!

95-99: Große Weine. Das sind Weine, die erst mal perfekt sind, und im Laufe des Genusses taucht irgendwo ein winziges Defizit auf, was die 100 unmöglich zu machen scheint. Nach dem Innehalten muss ich sofort jemanden anrufen und von diesem Wein erzählen (wenn ich niemanden zum teilen habe). Passiert so selten, dass ich eine genaue Beschreibung nachreichen werde, wenn es mal wieder so weit ist.

100: Für 100 Punkte muss neben dem Wein auch die Stimmung stimmen. Mit anderen Worten, ich unterstelle mir selber, ein 100 Punkte Wein ist in meinem Universum nichts anderes als ein 99 Punkte Wein mit netteren Mittrinkern. Hatte ich erst ein Mal, muss ich mir also auch nicht zu viele Gedanken drüber machen.

Ein bisschen mehr Kontext zum Bewertungssystem gibt es hier…

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