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An der Heizdeckenfront

Letztes Wochenende habe ich mich mal wieder aus dem Elfenbeinturm getraut und die Berliner Weinmesse besucht. Das ist an sich nichts Besonderes, habe ich das doch auch im Vorjahr getan – allein: diesmal habe ich etwas gewagt, was ich schon längst hätte machen sollen, ich habe Wein verkauft. Genau genommen half ich einem befreundeten Winzer beim Dienst an Stand und Kunde. Doch bevor ich mich am Samstag zur nachmittäglichen Rush Hour in die Schlacht warf, genoss ich die Veranstaltung am Freitag noch als Besucher.

Die Berliner Weinmesse ist eine Massenveranstaltung mit fast 25.000 Besuchern an drei Tagen. Mehrere Hundert Winzer stellen aus – Spitzenwinzer machen sich rar. Da aber in Deutschlands zweiter und dritter Liga hervorragender Wein gekeltert wird, lohnt sich der Besuch auch für den anspruchsvollen Weinfreund. Immerhin stößt man auf einige alte Bekannte wie etwa das von mir seit dem letzen Jahr so geschätzte Sekthaus Solter und Entdeckungen lassen sich ebenfalls machen. Eine besondere Freude war mir die Verkostung der Kollektion des mir bis dato nicht geläufigen Weinguts Loersch aus Leiwen. Das war ein richtig großer Wurf, was der Winzer präsentierte – und da man uns die Freude offensichtlich ansah gab es zum Abschluss noch einen hervorragenden Eiswein und eine fast außerirdische Trockenbeerenauslese zu naschen. Diesen Betrieb sollte man wohl im Auge behalten.

Und dann kam der Samstag. Da stand ich also hinterm Stand des Weinguts Ludwig Thanisch und Sohn und sah die Massen anbranden. Die gezeigten 2012er Riesling Spätlesen aus dem Lieser Niederberg Helden (trocken, feinherb, fruchtsüsß) waren mir bestens vertraut, ebenso wie die Auslese aus der Brauneberger Juffer. Also gab es noch einen Crashkurs  von Winzer Jörg Thanisch zu den gezeigten Weinen des Jahrgangs 2013 (Rivaner, Spätburgunder Rosé, Weißburgunder und Basisriesling ‚1648‘), dann ging es los.

Es ist ein grundsätzliches Problem vieler Weinmessen, dass das Geschäftsmodell Missverständnisse auslöst. Die Winzer bezahlen eine Ausstellergebühr um Zugang zu Konsumenten zu erhalten, die Wein kaufen wollen. Die Besucher zahlen Eintritt um Zugang zu Winzern zu erhalten, die kostenlos Wein ausschenken. Dass sie auch welchen kaufen sollen, steht nirgends geschrieben. Also mischen sich im Publikum diejenigen, die sich durch Sortimente probieren und die wohlschmeckendsten Weine für daheim erwerben wollen mit solchen, die sich für kleines Geld mal ordentlich die Lampe anzünden. Die Winzer versuchen letzteren zu entgehen und erstere zu umwerben, dazu kommen in Berlin eher selten echte Weinfreaks, die zwar viel Ahnung haben und für gute Gespräche sorgen, leider aber sehr selektiv und in kleinen Mengen kaufen.

Meine Aufgabe wurde mir schnell klar: Den Interessierten möglichst rasch ein paar Weine ins Glas füllen, auf dass sie sich mit dem Produkt beschäftigen, den Kegelclubs die kalte Schulter zeigen, ohne allzu unhöflich zu wirken, weil das die Interessierten, die ja direkt daneben stehen, irritieren könnte. Dann waren da noch die Informierten, die mir als Weinenthusiast ja eigentlich die meiste Freude machten. Als ich mit dem ersten ins Gespräch kam, bat mich mein ‚Chef für einen Nachmittag‘ doch solche Diskussionen zu vermeiden, das koste über Gebühr Zeit und bringe nichts.

Also galt es die Informationstiefe dem Publikum und Geschäftszweck anzupassen, der Rivaner – knochentrocken aber trotzdem fruchtig und für einen Müller-Thurgau ganz schön gut – wurde zum ‚Spargelwein‘, der Rosé – mit zehn Gramm Restzucker zwar halbtrocken aber keinesfalls limonadig – firmierte als ‚fruchtiger Sommerwein für die heißen Tage‘, der Basisriesling gab den ‚leckeren Alltagswein‘: wenn ich in meinem Blog so schriebe wie ich Samstag geredet habe, ich hätte binnen kürzester Zeit keine Leser mehr – oder zehnmal so viele …

Viel könnte man noch schreiben, über die verschiedenen Arten von Messebesuchern, aber das hat Bernhard Fiedler vor Jahren schon mustergültig getan, (wenngleich die Berliner eher simpler sind als die von Bernhard geschilderten Typen). Also verweise ich auf seinen Artikel und merke lediglich noch an, dass ich mich zwar für einen guten Verkäufer halte, dieses Talent sich jedoch nicht auf Wein und Endverbraucher erstreckt. Ich habe keine Kosten verursacht, die ich hätte wieder einspielen müssen, viel mehr als ein paar Euro war ich aber nicht wert. Den harten Tag beschloss ich mit einem Gläschen Wein. Von welchem Weingut der war, dürfte den werten Leser kaum verblüffen.

Thanisch_Alte_Reben_2008Thanisch (Ludwig Thanisch & Sohn), Riesling ‚Alte Reben‘ (Lieserer Niederberg Helden), 2008, Mosel. In der Nase relativ schwer: Aprikose, mürber Apfel, Aloe Vera, leicht süßlich. Am Gaumen deutlich halbtrocken aber das ist nicht nur Zucker, sondern eine Mischung aus Restzucker und viel Frucht (vor allem Apfel), leicht cremiges Mundgefühl, erste – noch zarte – würzige Alterstöne, stoffig, viel Druck der aber von einer kräftigen Säure und dezent spürbaren 11,5 Prozent Alkohol in die richtigen Bahnen gelenkt wird. Klassisches Rieslinggefühl stellt sich ein, einerseits wie ein Pfälzer Dickschiff, andererseits wie ein mineralisch-filigranes Moselchen. Der lange Abgang ist sehr saftig. Wird mir als schickes Cool-Climate-Schiefer-Geschoss in Erinnerung bleiben, dass zwei Stilistiken vereint, die selten so angenehm zueinander finden.

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A Night to Remember

Der Tiefpunkt meiner Karriere als Organisator von Weinreisen war an einem Samstagabend um neun erreicht, im Herbst des Jahres 2007. Wir hatten gerade einen Weiß- und Grauburgunder von Stefan Steinmetz probiert und sechs Augenpaare richteten sich auf mich. Blicke sprachen Bände und die Nachricht war eindeutig: Wo hast Du uns hier hingeschleppt? Glücklicherweise konnte mich der sympathische Winzer in den folgenden Stunden rehabilitieren – aber der Reihe nach.

Meine frühen Schritte in der Weinwelt tätigte ich im Kreis einer fröhlichen Runde in Hamburg. Viele Proben und Messebesuche bestritten wir zusammen und so war es nur logisch, dass die Idee einer gemeinsamen Weinreise entstand. An die Mosel sollte diese führen und mir fiel die Organisation zu. Als Herausforderung entpuppte sich der Samstagabend. Welcher Winzer würde ‚Wetten, dass..?‘ gegen eine Weinprobe mit Privatkunden eintauschen? Einer fiel mir ein: Jörg Thanisch vom Weingut Ludwig Thanisch und Sohn. Leider hatten aber alle die 2006er Kollektion bereits probiert und im Keller, weswegen der Vorschlag keinen Anklang fand.

Also rief ich Thanisch an, um ihm erstens zu erklären, dass wir zwar eine Moselreise planten, auf dieser aber nicht bei ihm Station machen würden und zweitens zu fragen, ob er nicht einen Kollegen für eine samstagabendliche Soiree empfehlen könne. Der Mann ist unkompliziert, war nicht beleidigt, sondern lieferte wie aus der Pistole geschossen einen Namen und eine Handy-Nummer: Stefan Steinmetz vom Weingut Günther Steinmetz in Brauneberg. Als ich diesen anrief, stand er gerade mitten im Weinberg, hatte keinen Kalender dabei, sagte aber sofort zu.

Einer war zu spät, einer musste die Kamera bedienen: fünf von sieben in der Trittenheimer Apotheke

Einer war zu spät, einer musste die Kamera bedienen: fünf von sieben in der Trittenheimer Apotheke

Wir fielen pünktlich um halb neun am verabredeten Abend bei ihm ein. Das Weingut ist ein kleiner Betrieb, ohne jedes Chichi aber mit etwas Patina. Guido, ein Mitreisender, fasste es wunderbar zusammen: ‚Die Probierstube machte einen prototypischen Eindruck für diese Art von Familienbetrieben, bei denen man immer den Eindruck hat, sich ein bisschen weiter in die Privatsphäre der Winzerfamilie zu begeben, als dies für Erstbesucher angemessen wäre.‘

Er habe Zeit und er würde sich freuen, wenn wir die ganze Kollektion probierten. Da diese auch einige Schatzkammerweine enthalte, gereifte Beerenauslesen und TBAs, schlage er vor, wir zögen die Rotweine vor, da nach einer TBA der Gaumen jungen Rotwein nicht mehr beurteilen könne. Diese Regel kannte ich nicht, befolge sie seitdem aber auch bei anderen Proben, denn der Mann hat Recht.

Starten wolle er aber mit seinen beiden weißen Burgundern. Er schenkte uns die Weine mit dem Hinweis ein, bei Weiß- und Grauburgunder durchlaufe er einen Entwicklungsprozess. Er sei mit dem Ergebnis noch nicht hundertprozentig zufrieden. Das war zwar von entwaffnender Ehrlichkeit, machte die Weine aber nicht besser. Sie waren recht alkoholisch, zu süß und insgesamt mastig. Es folgten die angespannten Blicke der Kollegen.

Doch dann ging es Schlag auf Schlag. der Winzer präsentierte uns seinen Schwarzriesling, den Pinot Meunier * ‚im Barrique gereift‘. Das war eine Ansage, nicht nur weil es in Deutschland so wenig guten Wein aus der Müllerrebe gibt, sondern auch weil er für diesen eleganten Wein sechs Euro pro Flasche aufrief. Es folgte Merlot:, Steinmetz hat ihn in der Steillage stehen und beweist seit Jahren, dass das sinnvoll ist. Eine 2005er Auslese, geerntet mit 115 Grad Oechsle ohne jede Fäulnis war das beste, was ich bis dahin an deutschem Merlot getrunken hatte (und vielleicht bis heute habe) – zum Preis von achteinhalb Euro. Ich will nicht jeden Wein aufzählen, finden sich die Spätburgunder doch an anderer Stelle in diesem Blog. Die Runde war begeistert, lediglich einer maulte die ganze Zeit, er sei vor einer Woche an der Ahr gewesen und habe bei einem Spitzenbetrieb für vergleichbare Qualitäten das fünf bis achtfache bezahlt.

Es folgten die Rieslinge und auch die fand ich sehr ordentlich. Bis heute reißen die Steinmetz’schen Rieslinge mich nicht zu Begeisterungsstürmen hin, was nicht heißt, dass sie nicht sehr gut sind, sie sind nur nicht meine Favoriten. Die Mehrheit der Runde war enthusiastisch. Gegen Mitternacht gaben wir noch Bestellungen ab, die wir am nächsten Tag abholen wollten, da der Winzer nicht mehr packen und wir nicht mehr fahren konnten. Dass wir über tausend Euro auf die Zettel bekamen klingt unbedeutender als es ist – bei durchgängig einstelligen Flaschenpreisen.

Spannend zu beobachten waren die Spätfolgen dieses Besuchs. Die Reisegruppe bestand aus dem, was man im Zeitalter der sozialen Netze als ‚Influencer‘ bezeichnet. Michael schrieb zwar noch nicht für den Weinwisser, war aber schon ein Vielreisender in Sachen Weinproben und brachte seine Steinmetz-Erfahrung nach Frankfurt, Düsseldorf und Berlin, Guido war als Nutzer ‚Einzelflaschenfreund’ in diversen Weinforen aktiv, Ole war und ist ein blendend vernetzter Weinprobengastgeber, Joachim, den alle nur Pasta nannten (und heute Jacob Ashley Schmalz, aber das führte jetzt zu weit), gehörte unter anderem zu den Juroren der ersten Twitter Wine Awards und meine Wenigkeit bloggt immerhin seit 2009 über die Weine des Gutes. So manche huldigende Erwähnung des Betriebes in der Internet-Weinszene lassen sich mit nur kleinen Umwegen zu diesem Abend zurückverfolgen.

Dass David Schildknecht kurze Zeit später Steinmetz das erste mal im Wine Advocat erwähnte und einige Jahre darauf die erste und dann weitere Trauben im Gault Millau kamen – geschenkt. Und natürlich ist herausragende Weinqualität die wichtigste Vorraussetzung für den Erfolg eines Winzers. Die Bereitschaft sich den Samstagabend mit ein paar Bekloppten um die Ohren zu schlagen, sollte man als Erfolgsstrategie in der Weingutsführung aber auf gar keinen Fall unterschätzen …

Steinmetz_Graacher_HimmelreichGünther Steinmetz, Graacher Himmelreich, Spätburgunder Auslese * trocken, 2007, Mosel. In der Nase ein erdiger Ton mit einigem Holz, dazu Himbeere und Vanille. Am Gaumen ist das Holz dezenter, ein paar Röstaromen, Lakritze aber auch viel Frucht: Kirsche und Himbeere. Der Alkohol von 13,5% ist spürbar und das ist angenehm. Was den Wein aber eigentlich auszeichnet ist seine Struktur: perfekte, leicht pikante Säure, feines Tannin, süße Frucht, mittleres Volumen aber einiges an Druck und enorme Länge. Ich muss bei einem Wein mit diesen Eigenschaften immer an Fußball denken: der hat Zug zum Tor. Grandioser Stoff.

Und plötzlich Experte…

Als Blogger erhalte ich häufig Anfragen für Gastbeiträge oder Interviews, die sich bei genauerem Hinsehen leider nur als mehr oder weniger geschickter Versuch kostenloser PR oder Linkbuilding heraus stellen. Es dauerte daher ein bisschen, bis ich Begriff, was die Absenderin wollte, als ich neulich eine E-Mail von einer Agentur erhielt. Die suchte nämlich ernsthaft einen Interviewpartner zum Thema Wein. Das Medium der Veröffentlichung sollte das Unternehmensblog von Tchibo sein. Ob ich mir vorstellen könne, in der Kategorie ‚Auf einen Kaffee mit …‘ Rede und Antwort zum Thema Wein zu stehen.

Ich halte mich normalerweise bedeckt, wenn es um die Frage geht, wie klein oder groß mein Weinwissen ist. Für die Kaffeekönige sollte es wohl reichen, so mein spontaner Gedanke. Also sagte ich zu. Die Fragen, die dann kamen, hatten etwas beruhigend geerdetes. Da ist es wieder, das wahre Leben. Die Mitarbeiter der Unternehmenskommunikation von Tchibo (mit Sicherheit überdurchschnittlich intelligente und genussaffine Menschen) zeigten mir, dass ich mich mittlerweile in einer eigenen kleinen Welt bewege, so sehr ich auch versuche es zu vermeiden.

Zur Feier meines ersten Interviews zog ich einen besondere Wein auf. Einen von denen,  die jahrelang im Keller liegen und eines besonderen Anlasses harren und die ich im letzten Beitrag als Deutsche Icon Wines verdenglischt habe. Es handelte sich um einen ‚Fährfels‘ Riesling aus dem Jahr 2004. Der Fährfels ist eine zerklüftete Steinformation in Trittenheim an der Mosel, inmitten der Trittenheimer Apotheke gelegen. Er wurde nie flurbereinigt und sieht nicht wie ein typischer Weingarten aus, eher als habe jemand den Azubi zum Pflanzen in den Hang geschickt und vergessen ihm zu sagen, wo der Weinberg zu Ende ist. Auf winzigen Terrassen stehen eine Hand voll Reben. Sie sind wurzelecht, über hundert Jahre alt und erbringen alle zusammen rund 1000 Flaschen Wein. Den baut das Weingut Cüsserath-Weiler zu einem feinherben Spitzenriesling aus und liefert danach die Hälfte der Flaschen im Weingut Clüsserath-Eifel ab – Erbengemeinschaft Mosel-style.

Der Wein zeigt seine ganze Pracht erst mit etlichen Jahren Flaschenreife. Ein Freund servierte mir vor 7 Jahren den gleichen Wein ohne Belüftung als Jungspund – belanglos. Doch bei dieser Flasche ging die Sonne auf.

Cluesserath_Faehrfels2004Clüsserath-Weiler & Clüsserath-Eifel, Riesling ‚Fährfels‘, 2004, Mosel. Der Wein riecht leicht süßlich, nach Aprikose und Muskat und dabei sehr cremig, keinerlei Alterstöne, nicht sehr intensiv, sehr harmonisch aber nicht spektakulär. Am Gaumen wirkt er ebenfalls leicht cremig, deutet Säure nur an, obwohl er wohl einiges davon hat – das spürt man aber eher, als dass man es schmeckt. Für einen feinherben Riesling schmeckt er ziemlich trocken, erzeugt ein volles Mundgefühl, ist leicht kreidig, hat eine tolle Phenolik/Mineralik und präsentiert sich mit fantastischer Tiefe. Aromen von mürbem Apfel, Aprikose und Malz harmonieren mit einem leichten Bitterton und einer feinen Reifenote, die sich nach zwei Stunden an der Luft einstellt. Was den Wein ausmacht, ist nicht irgendein Aromenfeuerwerk, sondern die Balance zwischen Tiefe und Leichtigkeit, zwischen lecker und Intellekt. Der Abgang ist sehr lang und der Alkohol völlig unauffällig.

Wer lesen will, was ich zum Thema Wein und Kaffee zu Protokoll gegeben habe, findet hier das Interview.

Wachwechsel

Mit Höchstgeschwindigkeit nähere ich mich einem Tag des Schreckens. Ich kann ihn kommen sehen. Ich könnte noch abbremsen, kriege aber den Fuß nicht vom Gas. Sehenden Auges fahre ich gegen die Wand. Anfang des Jahres bemerkte ich die Probleme erstmals aber ich habe nichts dagegen unternommen: Meine 2007er Rieslinge gehen zur Neige. Ich verdränge die Bedrohung, trinke einfach weiter, tauche immer tiefer in die Regale, um noch was zu finden und stoße immer seltener auf Beute.

Klingt nach Drama, ist ein Drama. Ich habe diesen Jahrgang geliebt. Trockene und halbtrockene Kabinette und Spätlesen meine ich: wie gut oder schlecht die Großen Gewächse sind, kann ich nicht sagen, davon habe ich noch nicht so viel getrunken. Meine Mängelanzeige bezieht sich auch nur auf die mittelgewichtigen Rieslinge. Die GGs teste ich derzeit gelegentlich an und habe nicht den Eindruck, dass sie schon alles zeigen, was sie können – vielleicht nächstes Jahr.

2007 ist bestimmt kein Überjahrgang. Eine Sache aber macht ihn für mich besonders. Seit ich dieses Blog schreibe, trinke ich 2007er Rieslinge der mittleren Qualität; im Juni 2009 machten die schon Spaß und seither präsentieren sich Zwei-Sterne-Weine von Laible aus Baden, trockene Spätlesen von Thanisch von der Mosel oder ‚PC‘ Lagenweine von Bürklin-Wolf aus der Pfalz einheitlich zugänglich. Nach zwei Jahren der Reife halten sich die Weine seit mittlerweile vier Jahren in einem wunderbaren Schwebezustand aus Frische und Reife, zeigen eine akzentuierte Säure, die niemals beißend ist und machen einfach Freude.

Damit halten sie sich nicht an die Theorie, nach der Rieslinge in immer gleichen Mustern reifen und in bestimmten Jahren quasi ungenießbar sind, weswegen man sie dann bitte niemals öffnen soll. Der Regeln gibt es viele. Gehört habe ich schon: nicht im dritten Jahr, nicht im verflixten vierten, sechsten, siebten oder achten – und in den ersten beiden sowieso nicht.

Und jetzt? Ich kann versuchen mich zu trösten: der Winter naht, Zeit für Rotwein. Aber ich trinke auch bei Minusgraden Riesling. Ersatz muss her. Ich habe probiert. Bei den ganz leichten 2008ern stellt sich jetzt Wonne ein. So wie bei diesem hier:

Thanisch (Ludwig & Sohn), Riesling Kabinett trocken, 2008, Mosel. In der Nase sehr klar, nur ein Hauch Reifenoten; es dominieren die üblichen Verdächtigen: Aprikose, Aloe Vera, tropische Früchte und Malz. Am Gaumen schlank im besten Sinne, kräftige Säure, die aber nichts spitzes oder anstrengendes hat, im Gegenteil, trotz der Säure leicht cremiges Mundgefühl, schmeckt sehr trocken, leicht und beschwingt, im recht langen Abgang mit schöner kreidiger Phenolik/Mineralik, 11% Alkohol sind völlig unauffällig.

Thanisch_Molitor_Riesling

2009er sind viel reifer. Ich werde also 2009 vorziehen und in den kommenden Monaten vereinzelt 2008er einsprenkeln, wenn ich es etwas knackiger haben möchte. 2007 werde ich in liebevoller Erinnerung halten, als den Jahrgang des verlässlichen Vergnügens und der tiefen Erkenntnis: alle Regeln, die in der Weinszene kursieren, wann man einen Riesling zu trinken hat, sind Quatsch.

Zum Abschied ein leises Servus:

Molitor, Graacher Domprobst, Riesling kabinett (tr.), 2007, Mosel. In der Nase volle Frucht: Aprikose und mürber Apfel, dazu Karamell und eine schöne Reifenote. Am Gaumen spürbare, harmonische Säure, etwas mehr Restzucker als nötig, was dem Wein einerseits Schmelz verleiht, andererseits eine Fülle, die man von einem Kabinett kaum erwartet. Aber Molitors Einschätzungen der verschiedenen Prädikate ist eh nicht vergleichbar mit der anderer Erzeuger. Die satte Frucht mit Aprikose und Grapefruit dominiert, etwas Malz und ein leichter Bitterton ergänzen gut. Der Abgang ist lang, schmelzig und eher wenig mineralisch. Unkompliziert und lecker – seit Jahren schon…

Das Gesellschaftsspiel

Eine kleine Warnung vorab: Da Eigenlob bekanntlich stinkt, könnte es dem Leser nötig erscheinen sich beim Lesen dieser Zeilen die Nase zuzuhalten.

Ich habe vor ein paar Tagen eine Weinprobe veranstaltet. 12 Flaschen Großes Gewächs und vergleichbares vom Riesling aus dem Jahrgang 2007 schenkte ich zehn Weinfreunden zur Begutachtung ins Glas. Es handelte sich um eine Blindverkostung, das Thema war zwar bekannt, die teilnehmenden Weine jedoch nicht. Solche Proben können viel Spass machen oder auch in langweiliges und übertriebenes Wein-Sezieren abdriften. Dazu sitzen zu solchen Gelegenheiten bei mir Menschen mit unterschiedlichem Erfahrungsschatz beieinander und die Gruppe zerfällt im schlimmsten Fall nach dem zweiten Wein in die Schweiger und die Experten.

Dieses Mal war einiges anders. Ich habe ein Experiment gestartet, dass ich als geglückt betrachte. Da ich im Jahr 2008 einem Anfall von Shopping-Wut erlegen bin, stapeln sich in meinem Keller viele Weine des Jahrgangs 2007. Insgesamt über 50 verschiedene Rieslinge eigneten sich für das Probenfeld. Also fertigte ich eine Liste an und ließ diese jedem Teilnehmer mit der Aufgabe zukommen, er möge sich einen Wein aussuchen, den anderen Teilnehmern gegenüber aber Stillschweigen über seine Wahl walten lassen.

Zum Start der Probe gab ich dann das Motto aus, jeder dürfe nur dann seinen Wein ausposaunen, wenn er der Meinung sei, er habe ihn gerade im Glas. Zusätzlich forderte ich dazu auf – jedoch explizit ohne Zwang – jeder möge sich das bitte im Laufe des Abends trauen. Um selber blind mit probieren zu können, bitte ich meine sehr viel bessere Hälfte immer die Weine in neutrale Flaschen umzufüllen und durchzunummerieren. Dieses Mal manipulierte ich diesen Prozess jedoch so, dass mein eigener Wunschwein an erster Stelle stand. So konnte ich mit gutem Beispiel voran gehen und schon nach dem ersten Wein behaupten, ich glaubte zu erkennen was das ist. Ich habe die Manipulation sofort nach Ende der Probe gestanden.

Der Effekt war prima. Die weniger versierten Weintrinker empfanden das ganze als schönen Spass. Den Profis schien die bevorstehende Aufgabe ein wenig Demut einzuimpfen – wenngleich das ein sehr starkes Wort ist, meine Gäste sind keinesfalls vorlaute Weinschnösel und die Beschreibung der Situation ist bitte mit dem größtmöglichen Wohlwollen zu verstehen. Insgesamt kam ein flüssiges Gespräch in sehr entspannter Runde zustande. Erkannt wurde eigentlich nur ein Wein, der spätere zweitplatzierte von Molitor. Der war allerdings der süßeste im Feld und kam als letzter, was die Sache etwas einfacher machte. Ich konnte noch einen Wein von Leitz erahnen, kannte aber das gesamte Teilnehmerfeld und deren Alkoholwerte (bei dem der Leitz herausstach), weswegen das keine große Kunst war.

Meine Proben-Notizen veröffentliche ich hier nicht. Ich habe verschiedentlich darüber geschrieben, wie wenig geeignet ich mich für die Bewertung von Wein anhand eines Probeschlucks halte. Ein paar generelle Eindrücke will ich aber schildern. Ich habe in den letzten zwei Jahren sehr viele mittelgewichtige Rieslinge aus 2007 getrunken. Regelmäßigen Lesern dürfte das kaum verborgen geblieben sein, ebenso wenig wie die Tatsache, dass ich mit dem Jahrgang ausgesprochen glücklich bin. Die mittlerweile verbreitete Skepsis gegenüber 2007 ist für mich nicht nachzuvollziehen. Diese Probe war für mich die erste größere Inspektion der GGs des Jahres und auch die machen mich richtig glücklich. Eine offensichtlich kaputte Flasche war dabei, eine weitere, die unerklärlich schwach war. Doch alle anderen fand ich mindestens sehr gut. Sogar der zehntplatzierte, mein Wunschwein, gefiel mir noch ausnehmend gut. Die Runde sah das nicht ganz so euphorisch, Einigkeit herrschte aber bei den Gewinnern des Abends. Mit einigem Abstand siegte ein Durbacher Plauelrein GG von Andreas Laible, dann kam der Wein von Molitor, gefolgt von einem Pechstein GG von Buhl. Die weiteren Ergebnisse fallen verschieden aus, sobald man die statistische Auswertungsform verändert. Der Molitor ist vermutlich nicht gesetzlich trocken, insofern kann man darüber streiten, ob er als letzter Wein in einer solchen Probe einen unzulässigen Vorteil hat. Nicht darüber streiten sollte man, dass es ein Klassewein ist. Ich habe mittlerweile eine weitere Flasche davon getrunken – über mehrere Tage in Ruhe. Jetzt kann ich auch was halbwegs sinnvolles dazu schreiben.

Markus Molitor, Niedermenniger Herrenberg Auslese (tr.) **, 2007, Mosel. In der Nase frisch und süß, Aprikose, Aloe Vera, ein bisschen Ananas. Am Gaumen etwas zu süß für trocken (der Wein trägt die Bezeichnung ,trocken‘ nicht offiziell, wird aber als trockene Auslese verkauft), dafür herrlich saftig, frisch, mit milder aber präsenter Säure, leicht cremig aber nicht diffus, sehr mineralisch, fruchtig, tief. Alles drin, alles dran, sehr langer, harmonischer Abgang mit einem kleinen Bitterl, das einem angenehm das Mund im Wasser zusammenlaufen lässt.

Der dümmste Spruch der Weinwelt

Die Weinwelt bietet beinahe grenzenlose Vielfalt, da sind pauschale Aussagen immer gefährlich. Je nach persönlichem Blickwinkel sind sie lustig, albern oder ärgerlich. ,Die besten Bioweine machen die Winzer, wo die Nachbarn mit dem Hubschrauber spritzen‘ (bitte älteren Winzer, schweren Dialekt und braune Kordhose dazu denken) ist ein gutes Beispiel dafür. Als Gelegenheitszyniker finde ich den sehr lustig, wäre ich Bio-Winzer schwölle mir wohl der Kamm.

,Der Wein ist überbewertet‘ ist ein Spruch, der mich eigentlich kalt lässt, da ich es mit dem bewerten von Wein eh nicht so habe und auch selten auf anderer Leute Punkte schiele. Gleichwohl verstehe ich auch bei dieser Aussage, dass sie manchem gehörig die Laune vermiest.

Mein persönlich meist gehasster Spruch ist vermutlich dieser hier: ,Ich trinke keinen Rotwein, durch den ich durchgucken kann!‘ – was natürlich mit meiner bedingungslosen Liebe zu Deutschem Spätburgunder zusammen hängt.

Dieser an sich schon alberne Spruch – schließlich trinke ich den Wein nicht der Farbe, sondern des Geschmacks wegen – ist besonders ärgerlich, weil er nicht wenige Winzer dazu verleitet ihre Spätburgunder zu vermasseln. Denn auch wenn es keiner zugibt, so mancher Winzer schielt schon auf die Dunkelweintrinker, wenn er seinen Spätburgunder in einer Art und Weise aufmotzt, die diesen gerecht wird, dem Wein aber nicht.

Zum Einen schütten etliche Winzer fünf bis fünfzehn Prozent Dorn- oder Dunkelfelder in ihren Spätburgunder. Zugeben tut das niemand, die Dunkel(sic!)ziffer ist aber nicht zu verachten. Ich leide an einer Dornfelderallergie, meine diesen Kniff meist rauszuschmecken, bin aber bereit zuzugeben, dass ich auch schon leichte, süffige Spätburgunder in der Zehn-Euro-Liga getrunken habe, denen der Schuss Fremdwein ganz gut zu Gesicht stand. Und dann sind da die Winzer, die ihre Weine zu Tode mazerieren. ,Trockeneis und eine Woche in die Ecke stellen‘ kommentierte Dirk Würtz lapidar, als wir neulich beim Vorglühen zum Vinocamp an ein solches Exemplar gerieten. Seiner Aussage, das gäbe eine schöne Farbe, kille aber die Herkunft, mag ich nicht widersprechen.

Ich bekenne also: Ich liebe Rotweine, durch die ich durchgucken kann. Gerade jetzt im Sommer, abends beim Grillen, leicht gekühlt aber nicht kalt. Zwei Exemplare trinke ich derzeit regelmäßig. Einer enthält ein Prozent Dornfelder, aber nur zwecks Gefahrenabwehr. Als der Winzer seine Fässer befüllte, reichte die Menge nicht aus um das letzte Fass randvoll zu machen. Um Oxidation zu vermeiden sollte man das aber. Normalerweise geht man ins Lager, holt ein paar Flaschen vom letzen Jahr, entkorkt die und füllt das Fass auf. Da aber alles ausverkauft war, mussten ein paar Liter Dornfelder herhalten. Die weniger als ein Prozent Zugabe schmecke aber nicht einmal ich als ,Allergiker‘ heraus und blickdicht ist er auch nicht geworden.

Thanisch (Ludwig Thanisch&Sohn), Spätburgunder ,unfiltriert‘ im Holzfass gereift, 2009, Mosel. In der Nase Vanille, Zimt, Sauerkirsche und Pflaumenkompott. Am Gaumen milde Säure, eher cremig, Pflaume, Holz und Rauch, etwas Mineralik, die Frucht ist süß, der Wein eher schlank. 13% Alkohol sind eher unauffällig, der Abgang sehr lang. Für die Anlass-Trinker: Ein sommerlicher Spaßwein.

Steinemtz_Spaetburgunder_Spaetlese_2007Erstaunlich haltbar sind diese einfachen Weine obendrein. Von dem hier hatte ich eine Kiste im Keller verbaselt. Jetzt ist sie wieder aufgetaucht und das keineswegs zu spät.

Günther Steinmetz, Mülheimer Sonnenlay Spätburgunder Spätlese, 2007, Mosel. In der Nase Sauerkirsche, Himbeere, Kräuter und dezent Vanille; am Gaumen mittleres Volumen, ordentliche Säure, die dem Wein Frische verleiht, sehr feines Tannin, Fruchtaromen von Kirsche und Himbeere jedoch nicht süß, etwas Holz. 12,5% Alkohol sind durchaus präsent, dazu ist der Wein ein bisschen mineralisch, sehr langer Abgang. Keinesfalls ein einfacher Wein aber einfach süffig.

P.S. Die Diskussion über ähnlich alberne Sprüche fand dann bei Facebook statt; https://www.facebook.com/groups/hauptsachewein/permalink/478058608946983/?comment_id=478059308946913&offset=100&total_comments=128

Süße Probe

Ich war zu einer Weinprobe eingeladen – einer besonderen Weinprobe. Martin aus Berlin veranstaltet regelmäßig epische Weinschlachten mit über 30 zueinander passenden Weinen. Die bekanntesten sind sein Berlin Riesling Cup der Grossen Gewächse und sein Berlin Gutsriesling Cup. Dieses Jahr gab es erstmals einen Berlin Kabinett Cup, der den feinherben und fruchtsüßen Leichtweinen gewidmet war, die ein bisschen PR dringend nötig haben, werden sie in ihrem Heimatland doch immer noch belächelt, obwohl sie ein seltenes Alleinstellungsmerkmal der hiesigen Weinkultur sind.

Ein gutes Dutzend Teilnehmer fanden sich zur Blindprobe ein, darunter überwiegend Profis vom Weinhändler bis zum Chefredakteur der Vinum. Das nötigte mir Respekt ab. Mit lauten Kommentaren hielt ich mich in dieser Runde zurück. Da ich zwischen zwei Teilnehmern aus der ebenfalls vertretenen Enthusiastenfraktion saß, hatte ich aber angenehme Tischgespräche und regen Austausch zum jeweiligen Glasinhalt.

Ich habe schon vielfach geschrieben, dass ich Proben für sehr eingeschränkt aussagekräftig halte. Fünf Minuten mit fünf Zentilitern sind bestenfalls eine Momentaufnahme. Deswegen veröffentliche ich auf meinem Blog auch keine Probenberichte. Dazu verkleben 33 restsüße Weine den Gaumen derart, dass die gleiche Probe zwei Tage später mit umgekehrter Reihenfolge vermutlich andere Ergebnisse hervorbringt. Die vielfach geäußerte Meinung, solche Wettstreite hätten keinerlei Aussagekraft mag ich aber nicht teilen. Es gibt Weine, da wird es still im Raum. Da wissen alle, das ist Klassestoff im Glas. Die würden auch bei einer Wiederholung strahlen. Diese Weine gewinnen zu Recht. Sie mögen in drei Monaten oder zwei Jahren zehn Plätze weiter hinten liegen – aber nicht, weil sie schlechter geworden sind, sondern weil andere Weine sie überholt haben. Denn es gibt auch Weine, die ich unruhig und unsauber fand, nur um nach dem Aufdecken zu wissen, dass nicht der Wein, sondern der Verkoster (ich) schwach war. Molitor hatte Fassproben zur Verfügung gestellt, die ich großteils schwierig fand. Nun kenne ich alle Molitorkabinette der letzten 8 Jahre und weiß, da kommt noch was. Und mit dem Wissen um die Herkunft, konnte ich mir sogar vorstellen, was da noch kommt. Nach dem Aufdecken dürfen aber die Bewertungen nicht mehr verändert werden. Dass Herr Molitor bei dieser Probe nicht besser abgeschnitten hat, ist meine Schuld.

Ich würde das Ergebnis der Verkostung so zusammenfassen: was dort gewonnen hat, war Spitzenwein, den zu besorgen sich lohnt. Was verloren hat, muss noch lange nicht schlecht sein. Wenn man diese Gebrauchsanweisung befolgt, sind Juryverkostungen ein sinnvolles Instrument der Sortimentsplanung für den eigenen Keller. Lustiges aus der Kategorie ,Blindproben machen demütig‘ gab es auch. Da war dieser Wein, der so herrlich strahlte und dessen noch bessere Bewertung vielleicht daran scheiterte, dass einer der Anwesenden laut die Meinung äußerte, dieser Wein sei auf frühe Fröhlichkeit getrimmt und in zwei Jahren spätestens am Ende. Nach dem Aufdecken stellte sich heraus, es war ein Scharzhofberger Kabinett von Egon Müller, dem Produzenten, der gar nichts trimmt und dessen Weine zu den langlebigsten der Weißweinwelt zählen. Oder die Diskussion um einen Petrolton, den jemand ins Reich der Unmöglichkeit verwies, weil so junge Weine keinen Petrolton haben könnten. Aufgedeckt wurde ein J.J. Prüm, der einzige 2009er im Feld. Es gab auch Momente, bei denen einige ihr Können aufblitzen ließen, blind den Schäfer-Fröhlich aus 33 Weinen erkannten oder treffend das Anbaugebiet bestimmten. Das wichtigste aber: es war kein Wettstreit der Verkoster, es ging nur um den Wein.

Als ich nach der Probe daheim ankam, stellte ich fest, dass meine Frau während meiner Abwesenheit etwas höchst vergnügliches getan hatte: einen fruchtsüßen Kabinett getrunken. Es war der Ockfener Bockstein 2011 vom St. Urbanshof, dessen 2012er Variante zu den Gewinnern des Abends gehört hatte. Sie hatte mir noch etwas übrig gelassen. Am nächsten Tag gönnte ich mir ein Glas davon.

St. Urbanshof, Ockfener Bockstein Riesling Kabinett, 2011, Mosel. In der Nase sehr sauber, blumig, mit Aloe Vera und Aprikose. Am Gaumen Melone, Pfirsich und Maracuja, dazu auch eine Spröde etwas gerbstoffige Note. Das Spiel ist nicht so faszinierend wie beim 2012er. Der Wein hat vermutlich weniger Säure. Er ist aber auch nich pappsüß, sondern zeigt schon, wohin die Reise geht: in wenigen Jahren ist das ein formidabler Essensbegleiter mit geschmacklich dezenter Restsüße, feiner Frucht und unerhörter Leichtigkeit.

Anders als für einige meiner Mitstreiter bei der Probe, sind Restsüße Kabinette für mich keine Weine für 30 Grad im Schatten, sondern der schnellste Weg zum perfekten Essensgebleiter. Wo ich bei der fruchtsüßen Spätlese zehn und mehr Jahre warten muss, bis sie diesen tollen Mix aus Würze, Frucht und Spiel bei nur dezenter Süße bringt, der sie so einzigartig macht, kriege ich das beim Kabinett schon nach der Hälfte der Zeit (und erfreulicherweise auch zum halben Preis).

Bleiben die zentralen Botschaften: ,Kauft mehr Kabinett‘ und ,Danke für die Einladung‘…

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