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Homöopathie wirkt

Als ich anfing mich mit Wein zu beschäftigen, gehörten Weingutsbesuche zur schönsten Recherchemöglichkeit, die mir zur Verfügung stand. Doch irgendwann nahm meine Lust an Vor-Ort-Verkostungen ab. Winzer haben mehrere Hundert Besucher pro Jahr und da bleibt es nicht aus, dass Sie irgendwann eine Platte auflegen und immer die gleiche Geschichte erzählen. Wie sollte es auch anders gehen? Leider unterscheiden sich die Platten nicht sehr und neben spannenden Informationen ist auf den meisten auch eine Menge Winzerlatein. Wenn mir dann wieder einer erzählt, dass seine Weine ja ganz und gar ohne jeden Eingriff so werden wie sie sind, guter Wein im Weinberg entsteht etc. pp., dann nicke ich als höflicher Gast und denke mir: ach hättest Du doch ein Probierpaket bestellt.

Am Vorabend des Vinocamp war ich bei einer Weingutsbesichtigung der ganz anderen Art, einer der besten, die ich in den letzten Jahren erlebt habe. Ob Mark Barth vom Wein- und Sektgut Barth in Hattenheim grundsätzlich keine Platte auflegt und Winzerlatein für ihn eine Fremdsprache ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Für die Vinocamper hatte er jedenfalls eine fantastische Weingutsführung mit Probe organisiert, bei der ich einiges lernen konnte.

Der Parcours begann im Innenhof des Gutes mit einem Riesling brut, der Einstiegsdroge der Barths, einem mit 11,50 Euro fair bepreistem, im besten Sinne klassischem deutschen Rieslingsekt. Dazu gab es Wissenswertes über den VdP-Betrieb, der innerhalb des Verbandes eine Sonderstellung einnimmt: als einziger versektet er mehr als ein Drittel seiner jährlichen Weinproduktion. Das ergibt rund 60.000 Flaschen und neben den üblichen Partyschäumern wie Riesling oder Weißburgunder Brut sind etliche Spezialitäten dabei. Es gibt daher kaum eine VdP-Veranstaltung bei der die Barths nicht für die Sekte zuständig wären. Auch sind sie die einzigen, die einen Sekt bei der GG-Präsentation dabei haben, doch dazu später mehr.

Die zweite Station war eine ausführliche Kellerbesichtigung, bei der wir Einzelheiten über die Sektproduktion im Gut erfuhren – auf einem hohen Niveau, welches den vielen anwesenden Winzern gerecht wurde. Zur Halbzeit gab es einen zweiten Sekt, den ich erst einmal blind mit den Umstehenden verkosten konnte. Unser Führer war derweil vollauf damit beschäftigt seine zweijährige Tochter einzufangen, die – im Gegensatz zu ihm – perfekt in die Innenseite der Rüttelpulte schlüpfen und mit den Flaschen spielen konnte. Die Verzögerung sorgte für einen Aha-Effekt, denn wir diskutierten ausführlich den zarten Holzeinschlag der Grundweine, bevor uns Mark Barth erklärte, dass diese im Stahltank ausgebaut waren. Was das zarte Barrique-Aroma verursacht ist eine Dosage von homöopathischen zehn Millilitern mit einem im Barrique ausgebauten Riesling namens Singularis. Der ist feinherb und hat um 20 Gramm Restzucker, was bei dem Sekt in unserem Glas zu einem Gesamtzucker von 0,5 Gramm pro Liter führt. Dieser nach dem Geburtsdatum der Rüttelpultturnerin ,11311‘ benannte Sekt war für mich der spannendste der tollen Barth-Kollektion, die ich im Laufe des Vinocamp vollständig probieren konnte.

Nach einer Station an der Degorgiermaschine gelangten wir wieder in den Innenhof, wo uns ein abschließendes Highlight erwartete. Die Parallelverkostung des 2009er Riesling GG aus dem Hattenheimer Hassel und des Sektes ,Primus‘. Bei dem handelt es sich um das versektete GG. Jedes Jahr versekten die Barths einige Magnums des Hassel und bringen sie als Versteigerungswein auf den Markt. Dank der überaus großzügigen Geste des Hausherren – die geköpfte Magnum kostet knapp 130 Euro – war uns ein einmaliger Vergleich vergönnt. Wenn die Barths den Wein bei der GG-Präsentation vorstellen, gibt es jeweils das aktuelle GG und den versekteten Vor-Vor-Jahrgang, da dieser 24 Monate auf der Hefe liegt. Hier also der selbe Jahrgang Seite an Seite: links ein sehr schönes aber auch unerhört reifes 2009er GG (es spielte sich die Szene ab, die zu meinem letzten Artikel über den Reifezustand der 2009er führte) und rechts der 2012 degorgierte Sekt, der spritziger erscheint, die Reife- und Würzenoten aber gleichzeitig dank der Kohlensäure herausschleudert, dass man die Nase gar nicht mehr aus dem Glas nehmen will. Nach der doppelten Gärung hat der Primus fast 14% Alkohol, weswegen ein Glas davon vollkommen reicht. Das ist beim 11311 ganz anders.

Barth_11311_Cuvee_ParadiesBarth, Cuvée Paradies ,11311‘ , Sekt b.A nach traditioneller Methode, Riesling & Pinot Blanc, Brut Nature, o. J., Rheingau. In der Nase einerseits typisch: Grapefruit, Zitrus, Hefe, Brot, grüner Apfel, dazu aber eine dezente Barrique-Note. Am Gaumen eine wundervolle Balance zwischen Frucht, Würze und Säure. Der Sekt ist spritzig und kein bisschen spröde, obwohl er wirklich furztrocken ist. Der Weißburgunder zähmt den Riesling, dazu kommt ein feines Haselnuss-Aroma, das ich aber eher der Rebsorte als der Dosage zurechnen würde, denn die 1,3% Eichenfass-Anteil spürt man nur in der Nase. 12,5% Alkohol fallen nicht weiter auf. Die Perlage ist sehr fein, der Abgang lang. Ein Sekt zum Entdecken.

Der guten Ordnung halber ein Hinweis: Es gibt den Wein exklusiv im Frischeparadies Frankfurt, was nicht gerade bei mir um die Ecke liegt. Der Winzer hat mir daher eine Flasche des Sektes geschenkt. Dafür, wie auch für die gelungene Veranstaltung, meinen herzlichen Dank.

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#vcd13 – Tagebuch eines Vinocamps

Das Vinocamp Deutschland 2013 ist zu Ende und das Netz füllt sich mit Nachbetrachtungen. Wie so oft bin ich spät dran aber das hat sein Gutes: Ich konnte schon tolle Zusammenfassungen und persönliche Eindrücke lesen. Da fällt es mir leicht, in meinem Artikel nichts mehr zum Camp an sich, der Veranstaltungsform oder den Ergebnissen zu sagen. Ich verlinke lieber auf den Artikel von Carsten M. Stammen. Getreu dem Motto ,jedem Anfang wohnt ein Zauber inne‘ hat er auf einmalige Art seine Erlebnisse bei seinem ersten Vinocamp-Besuch aufgezeichnet. Und bei Nicola Neumann finden sich einige sehr schöne Fotos von der ,Unkonferenz‘. Ich beschränke mich hier auf meine persönlichen Höhepunkte und die Dinge, die ich gelernt habe.

Ich traf am Freitag Nachmittag im Rheingau ein, rechtzeitig um an der Weingutsführung und Verkostung im Wein- und Sektgut Barth teilzunehmen. Diese hat mir so viel Spass gebracht, dass ich darüber in den nächsten Tagen einen separaten Beitrag schreiben werde. Danach ging es zum traditionellen Get Together ins Weinbistro Altes Rathaus. Bei diesem lockeren Abend machte ich mir keine Notizen, kann mich aber gut an einige der probierten Weine erinnern. Wir erwarben einen Domaine de Trevallon 1995 um eine Bildungslücke meinerseits zu schließen, ansonsten wurde an diesem Abend traditionell viel von den Teilnehmern mitgebrachtes gegen moderates Korkgeld serviert, was insofern schade ist, als die sensationelle Weinkarte von Benjamin Gillert mehr Beachtung verdient hätte.

Da es den VDP-Betrieben nicht gestattet ist, ihre GGs (oder derzeit noch: GG-Anwärter) öffentlich vor dem 1. September zu zeigen, habe ich mir den Konsum von Bald-Grosse-Gewächsen aus dem Weingut Ress nur eingebildet. In meinen Träumen erschien mir ein sehr sauberer, mineralischer aber trotzdem leicht verständlicher Schlossberg. Sollte sich meine Vision bewahrheiten, dass das Gut dieses Jahr erstmals ein GG aus einer Hattenheimer Lage präsentiert, welches mit seiner fast rauchig-mineralischen und furztrocken-monolithischen Art (solche Worte erfindet man nur im Wahn) für ähnlich viele Diskussionen wie der letztjährige Rottland sorgen wird – dann sollte ich mich vielleicht als Orakel bei Astro TV bewerben.

Besser geht's nicht, nur anders...

Besser geht’s nicht, nur anders…

Der Samstag hielt für mich interessante Gespräche mit Menschen bereit, denen ich das Jahr über nur auf Facebook begegne. Die Zahl der Sessions, die ich besuchen konnte, war durch den Zeitverzug bei der kulinarischen Bordeaux-Probe etwas eingeschränkt. Diese Kombination einfacherer weißer und rosafarbener Weine aus dem Gebiet mit vor Ort zubereiteten Snacks (was für eine Untertreibung) aus der Sterneküche von Sascha Wolter war umwerfend. Die Erkenntnis, dass Bordeaux Weine – auch unter 25 Euro pro Flasche – für absolut jeden Anlass produziert, war für mich keine ganz neue, sie wurde mir aber noch nie so eindrucksvoll vermittelt. Ein ganz besonderes Erlebnis war dann der zweite Flight bei der sozialen Weinprobe ,Winzersekt‘ von Beate E. Wimmer. Den ersten Wein, Solters Brut Reserve habe ich im letzten Beitrag schon gewürdigt. Der zweite war der Reserve brut von der Sektkellerei Bardong. Weine des Jahrganges 1998, bei der Versektung zehn Jahre auf der Hefe liegen gelassen und nun noch ein wenig nach dem Degorgieren flaschengereift, was für ein Wahnsinnswein. Dieser Flight war Riesling Sekt in der besten aller Formen.

Die abendliche Party stand für mich im Zeichen des Wein Online Awards, worüber ich bereits geschrieben habe. Daneben gab es viele gute Schaumweine und anders als im Vorjahr beeindruckte mich vor allem die Disziplin der Teilnehmer. Da lag nirgendwo eine Schnapsleiche in einer Ecke (oder der aufmerksame Service hat sie einfach schneller entsorgt, als ich sie finden konnte).

Die sonntägliche Lehrprobe ,Schaumweine‘ mit Boris Maskow brachte für mich einen völlig überraschenden aber klaren Sieger: Bellavista Grand Cuvée 2006 von Franciacorta. Ebenfalls herausragend der Jour fixe von Immich Batterieberg, den habe ich allerdings schon mehrfach getrunken, weshalb der Überraschungseffekt ausblieb, mit dem sich der Franciacorta an die Spitze setzte – nicht das sinnvollste Kriterium aber hey, Sonntags um 10.00 Uhr morgens muss das mal erlaubt sein. Denn ungezwungen und ohne Allüren, das ist das Vinocamp Deutschland.

Ich freu mich schon aufs nächste Jahr.

Mein erster Award

Der deutsche Wein Online AwardImmer wenn ich denke, ich hätte es mit meinem Weinfimmel übertrieben und der Haussegen stünde auf dem Spiel, überrascht mich meine sehr viel bessere Hälfte mit einem kleinen symbolischen Akt der Absolution: sie schenkt mir meine erste (und bisher einzige) Flasche Roederer Cristal, sie kauft eine Lampe für die Küche, die man mit leeren Weinflaschen bestückt oder sie erwähnt beiläufig, bei einem Glas Wein auf der Terrasse ,Schatz, ich habe einen Text von Dir für den Wine Online Award eingereicht‘.

Der Wine Online Award ist ein von Dirk Würtz und Thomas Lippert initiierter Preis für den besten in sozialen Medien veröffentlichten Beitrag zum Thema Wein. Bei seiner diesjährigen Premiere war er für die Kategorien Text und Foto ausgeschrieben. Dirk und Thomas fungieren als Jury für die Vorauswahl, die endgültige Entscheidung treffen die Teilnehmer des Vinocamp per Stimmzettel.

Ich habe den Award gewonnen – mit einer Stimme Vorsprung. Das führte zu der lustigen Situation, dass beinahe jeder, der für mich gestimmt hatte, mich im Laufe des Abends der Verleihung darauf aufmerksam machte, dass ja wohl seine Stimme die entscheidende gewesen sei. Hier muss ich einmal widersprechen: Es war natürlich meine Stimme, die den Unterschied machte, denn als VCD-Teilnehmer war ich stimmberechtigt und habe mich in die Tradition Adenauers begeben 😉

Damit gerechnet hatte ich nicht, denn Helmut O. Knalls nominierter Text erschien mir als übermächtige Konkurrenz. Dass daneben mit Bernhard Fiedler ausgerechnet der Winzer im Teilnehmerfeld war, dessen großzügige Gabe meinen Artikel über Verschlussdiskussionen im Internet inspiriert und möglich gemacht hat, könnte man als Ironie des Schicksals betrachten, wenn man nicht wüsste, dass Bernhard Awards völlig Schnuppe sind. Auch Torsten Goffin, der vierte Nominierte, nahm die Sache ausgesprochen gelassen zur Kenntnis.

So darf ich mich bedanken, bei den Initiatoren für die Idee und Durchführung, den Mit-Campern für die Juryleistung, meiner Frau für die Toleranz und Unterstützung – und vor allem beim Sponsor Sopexa. Dass ein Unternehmen aus der Branche den Award mit Preisgeld ausstattet, kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Dirk Würtz hat in einem Artikel die mit dieser Geste zum Ausdruck gebrachte Stimmung bestens zusammengefasst. Dort bitte lesen, alles was ich hier dazu schriebe, wäre nur Plagiat.

Gefeiert habe ich den Award vor Ort mit allen Anwesenden der Zeremonie mit diversen Schaumweinen, darunter Palmes d‘Or 2000 aus der Jeroboam (Dank an den Stifter, das Champagnerhaus Nicolas Feuillatte) und einem besonderen Sekt.

Solter Brut, Rheingau Riesling Sekt Reserve, 2007, Rheingau. Die Trauben stammen ausschließlich aus der Lage Rüdesheimer Berg Roseneck, was erst ab dem Folgejahrgang auf dem Etikett ausgewiesen werden wird. In der Nase betörend, weil er an einen gereiften Riesling erinnert, aber auch die Hefenoten eines guten Sektes nach traditioneller Methode bietet, dazu mit einem Hauch Petrol, der was magisches hat. Am Gaumen stoffig, weinig, ohne Breit zu wirken, auch weil die Perlage nach 60 Monaten Hefelager unglaublich fein ist. Das ist die gelungene Interpretation eines deutschen Rieslingsektes, kein Versuch einen Champagner zu imitieren. Es wäre dem Anlass nicht gerecht geworden, Aromen zu notieren, ich habe aber genug davon getrunken um schwören zu können, dass das ein Klasse-Sekt ist.

Hätte einen Award verdient…

Vorfreude auf Geisenheim

In etwas mehr als einer Woche ist es wieder Zeit für das Vinocamp. Zum dritten Mal treffen sich Menschen, die sich für Wein privat oder beruflich begeistern und die diese Begeisterung miteinander über die ,sozialen Medien‘ wie Blogs, Twitter, Facebook und so altmodische Einrichtungen wie Weinforen teilen. Zum zweiten Mal werde ich teilnehmen und da noch einige wenige Plätze frei sind, will ich die Werbetrommel rühren.

Was ein Barcamp ist, habe ich schon in der Rückschau zum letzten Camp beschrieben. Ob es noch eine zeitgemäße Organisationsform ist, ziehen die ersten in Zweifel, für einen dritten Durchgang wird es allemal gut sein. Die Themen, die es am 29. und 30.6. in der Fachhochschule Geisenheim auf die Agenda schaffen, werden so bunt wie die Teilnehmerschar. Wo Blogger auf Winzer treffen und sich Händler, PR-Manager und Verbandsfunktionäre dazu gesellen, besteht die Gefahr, dass alle auf einmal und fröhlich aneinander vorbei reden. Das Barcamp mit seinen ,Sessions‘ genannten Untergruppen stellt ein gutes Werkzeug zur Strukturierung zur Verfügung.

Viel wichtiger als die Ergebnisse einzelner Sessions ist meiner Meinung nach die Botschaft, die vom Camp insgesamt ausgeht. Die sozialen Medien sind für Wein ähnlich revolutionär wie für das Theater die ersten Inszenierungen, die Spiel und Handlung in den Zuschauerraum verlagerten, Logen mit einbezogen, dem Publikum den Eindruck vermittelten: ,Ich bin ein Teil der Aufführung‘. Dass bei diesem Paradigmenwechsel mal was schief geht, Amateure vorlaut werden oder die Einladung zur Teilhabe mit der Beförderung auf den Regiestuhl verwechseln, kritisieren nur die Protagonisten der alten Schule, die gerne auch heute noch als Hamlet in historischem Kostüm auf der Bühne stehen, mit dem Schädel in der Hand ,Wein oder nicht Wein‘ murmeln und dem Publikum die Tradition in den dunklen Saal schleudern wollen, um am Ende Ovationen entgegenzunehmen und Interaktion zu verweigern. Es sind erstaunlich viele ältere Winzer unter diesen Verweigerern, während die Medienschaffenden immer zahlreicher die neuen Umstände umarmen.

Neben der Vermengung von Profis und Laien, Produzenten und Konsumenten, Händlern und Kunden gefällt mir die Tatsache, dass man beim Vinocamp auch Menschen trifft, die Wein nur am Rande zum Thema haben: Foodblogger, Whiskeyfans und andere Genussmenschen. Von denen kann man einiges Lernen. Das hebt die Lebensqualität. Beispiel gefällig?

Bis vor kurzem war Pfeffer für mich etwas getrocknetes, das aus der Tüte kommt: Schwarz, bunt und seltener weiß – in Ausnahmen auch mal feucht und grün. Dass man aus Pfeffer eine Wissenschaft machen kann, war mir unbekannt. Und hätte es jemand erwähnt: linkes Ohr rein, rechtes Ohr raus. Dann traf ich auf dem Vinocamp Ehepaar Uhlenbusch, die Feinkosthändler. Und weil so ein netter Kontakt entstand, besuchten uns die Uhlenbuschs, als sie beruflich zur Grünen Woche mussten, im Gepäck ein Fresskorb und darin in Meersalz fermentierter ostasiatischer Pfeffer der Luxusklasse.

Eine Gebrauchsanweisung gab‘s mündlich dazu: Mit dem Messer fein hacken und nach dem Braten/Grillen über Fisch oder Fleisch geben. Ich habe es ausprobiert. Es ist unglaublich. Ich grille gern und viel und ich mariniere, beize, smoke, was das Zeug hält. Doch seit dem Besuch der Uhlenbuschs kommt immer auch ein ungewürztes Stückchen Fleisch auf den Grill. Das wird nur nach dem Garen gesalzen und mit frisch gehacktem, in Meersalz fermentierten Pfeffer bestreut. Geschmacksexplosion! Ich trinke dazu dann Spätburgunder. Diesen hier zum Beispiel.

R.&C. Schneider, Spätburgunder ,R‘, 2005, Baden. In der Nase Blut und Holz, nur wenig Frucht, etwas Lakritz. Am Gaumen sehnig, schlank, mit kräftiger Säure, reichlich Holz, feinem Tannin und schöner Mineralik, wieder nur wenig Frucht (Himbeere) rohem Fleisch und ziemlich viel Tiefgang. Der Abgang ist lang und harmonisch. Das ist ein feiner Wein, den man vermutlich ,burgundisch‘ nennen darf. Unter den vielen Schneider-Rotweinen, die ich schon trinken durfte, ist er nur durchschnitt, als Grill- und Pfefferbegleiter aber ein großes Vergnügen.

Das Vinocamp ist Bildungsurlaub mit interessanten Mitstreitern – immer auch für eine Anekdote gut. Es sind noch einige wenige Plätze frei: http://vinocamp-deutschland.net/

Tagebuch eines Klassentreffens

Das war es also: das zweite Vinocamp Deutschland, für mich persönlich das erste, nachdem ich die Premiere aus beruflichen Gründen verpasst hatte. Gespannt war ich: auf die Menschen, auf die Fachhochschule Geisenheim, auf die Partylocation ,Winebank‘ und nicht zuletzt auf das Veranstaltungsprogramm.

Unbegründete Ängste

Ich hatte Manschetten vor dem VinoCamp, das sei deutlich gesagt. Wie Kollege Utecht bin ich auch ein reiner Weintourist. Ich habe beruflich nichts mit Wein zu tun. Um Abbitte zu leisten, hatte ich mich vorab als Organisator einer der nachmittäglichen Weinproben verpflichtet.

Soziale Weinverkostung

Tod durch Verdursten – eher kein Risiko in Geisenheim

So konnte ich wenigstens etwas beitragen und kam nicht nur zum Lauschen und Schnutentunken (sic!). Doch meine Angst war unbegründet. Selbst reine Hobbyblogger sind auf dem VinoCamp gern gesehen. Und aufgrund meines beruflichen Hintergrundes in Online-Marketing und -Anzeigenverkauf konnte ich am Sonntagmorgen spontan eine Session anbieten, die zwar nichts mit Wein zu tun hatte aber trotzdem positive Resonanz fand. Neben Wein geht es auf dem VinoCamp auch um (elektronische) Medien und digitale Trends. Die Kritik, dass dem Camp ein wenig Sinnlichkeit fehlt, ist vielleicht nicht unberechtigt.

Das Vorglühen

Ich kam bereits am Freitagnachmittag an, da ich mich als freiwilliger Helfer zum Aufbau gemeldet hatte. Als ich eine Stunde nach Beginn des Arbeitseinsatzes mit der Bahn in Geisenheim eintraf, war bereits alles erledigt, was für Freitag anstand. Zur Feier der erfolgreichen Vorbereitung gab es ein Glas eines 2010er Ersten Gewächses des Weinguts der Forschungsanstalt, Villa Monrepos. Sehr erfrischend.

Die informelle Zusammenkunft aller Frühangereisten im Restaurant Altes Rathaus (ein Restaurant mit allen drei Entdeckerweinen auf der Weinkarte) in Oestrich begann noch bei strahlendem Sonnenschein im Innenhof des gemütlichen Gemäuers mit einem Glas des brandneuen Rieslingsektes ,Z‘ vom Weingut Balthasar Ress, genau genommen war es ein immervolles Glas, denn neben Dirk Würtz zu sitzen, während er seine Weine ausschenkt, hat einen konstanten Füllstand im Glas zur Folge. Wie oft bei Zero Dosage Pricklern fand ich den Wein anfangs hart, um ihn mit jedem Schluck angenehmer und weicher zu finden. Guter Stoff.

Fass 161 war besonders gut

Definitiv ein verwackeltes Foto wert: Pfaffenberg Riesling Auslese trocken 2007

Im Laufe des Abends gab es noch viele gute Weine, wobei mein Hauptaugenmerk darauf lag, meinen persönlichen Füllstand niedrig zu halten, um am nächsten Tag fit für das Camp zu sein. Bemerkenswert waren die Fassproben aller vier Ersten Gewächse von Ress. Da wird für jeden was zum mögen und ablehnen dabei sein, so unterschiedlich sind sie. Am Abend mein Favorit: der Rottland.

Ebenfalls in guter Erinnerung blieben der Spätburgunder Cuvée Daniel von Georg Müller Stiftung (2009?) sowie der Riesling Pfaffenberg (2007, Auslese trocken Fass 161) von Schloss Schönborn, vor allem aber interessante Begegnungen und Gespräche mit Menschen, die eines eint: Weinbegeisterung.

Das Barcamp – Tag 1

Der Themenmost eines Barcamps vergärt überwiegend spontan. In einer eigenen Community bei mixxt gab es einen Gäransatz in Form einer Wunschliste aber die endgültige Planung eines Tages erfolgt morgens vor Ort. Eine Art Keynote gab es von Rémy Gresser, dem Vorsitzenden des Winzerverbandes Elsass. Er sprach in der Session ,Quo Vadis, Elsass?‘ ungewohnt offen über die Fehler seines Anbaugebietes in den letzten 30 Jahren. Das war sehr unterhaltsam, wenngleich es mit meinem Zugang zu und Umgang mit Wein wenig zu tun hat. Es ist bei einem Barcamp nicht wichtig, dass sich in jeder Session diejenigen zusammenfinden, die am meisten über ein Thema wissen oder den gleichen Zugang dazu haben. Über den Tellerrand zu schauen und zu hören, was andere umtreibt, macht auch viel Spass.

Natürlich gab es auch Themen, die mich kalt ließen. Aber dafür finden immer gleichzeitig mehrere Sessions statt. Und wenn alle Stricke reißen, macht man einfach mal Pause oder nutzt die Zeit, um eine eigene Session vorzubereiten. Im Foyer der Hochschule standen zudem Stände einiger Sponsoren, an denen man interessante bis sensationelle Weine probieren konnte. Sehr gut: ein 2007er Riesling Grand Cru von eben jenem Rémy Gresser sowie die gehobenen Qualitäten einer Madeira-Session des Sponsors ,Rindchens Weinkontor‘. Weitere Weine, die ich erinnern werde, waren Andreas Dursts interessante Spätburgunder Fassprobe (weit unter Wert geschlagen), sowie die Pinots von Eser und Tiefenbrunner aus meiner im letzten Artikel beschriebenen Probe.

Die Party

Menschen die Wein mögen

Die Dame von der Dachmarke und der Händler mit dem charmanten Akzent

Am Abend fand sich die bunte Schar von rund 150 Teilnehmern zu einer Party in der Winebank ein. ,Keine Angst vor altem Wein‘ war das Motto, und jeder Teilnehmer hatte eine Flasche dazu mitgebracht, die mindestens zehn Jahre auf dem Buckel hatte. Die hatte er oder sie bei der morgendlichen Anmeldung mit seinem Namen beklebt und abgegeben, um sie abends gegebenenfalls gekühlt und geöffnet in der Winebank wieder entgegennehmen zu können. Man kann den vielen fleißigen Helfern vom Orga-Team gar nicht genug für die perfekte Organisation danken.

Nachdem der Tag schon viel Wein mit sich gebracht hatte, schaffte ich noch einen Probeschluck aus ein paar Flaschen, bevor ich die Segel strich und mit einigen Gleichgeschädigten ein Reparaturbier in einem fiesen Irish Pub in Rüdesheim zu mir nahm. Zu viele hatten den Aufruf, einen alten Wein mitzubringen, zur Entsorgung von Kellerleichen genutzt – mein eigener von Othegraven 2001er Bockstein machte in meinen Augen keine Ausnahme. Echte Altweinliebhaber kamen auf ihre Kosten, alle anderen konnten sich ein für alle mal davon überzeugen, dass alter Wein nicht automatisch guter Wein ist.

Der zweite Tag

Diszipliniert erschien der Großteil der Teilnehmer auch am zweiten Tag pünktlich zum Camp. Für mich Höhepunkt des Sonntags war die Fehlerweinprobe mit im Geisenheimer Labor präparierten Weinen. Bereits die Kork-Station im Foyer, bei der sich jeder an seine persönliche TCA-Schmerzgrenze heranschmecken konnte, hatte mich begeistert. So etwas kann ich als Hobbyblogger nur beim VinoCamp genießen.

Nach dem gemeinsamen Aufräumen am Nachmittag ging es an das Verteilen überzähliger Weine und wer wollte, konnte mindestens so viele Flaschen wieder mit nach Hause nehmen, wie er mitgebracht hatte. Ich griff mir nur eine – und so gebar das tolle VinoCamp 2012 noch als letzte Premiere meine erste geschnorrte Flasche Wein:

Guter RoterGrenzhof Fiedler, Leithaberg DAC (Blaufränkisch, Mörbischer Goldberg), 2009, Burgenland. In der Nase und am Gaumen unmittelbar nach dem Öffnen erst mal fröhliche Konsenskirsche. Ich wähne mich in Italien, wo ich mich nicht so heimisch fühle. Doch schon mit wenig Luft kommt Zigarrentabak, Pflaume und etwas Holz dazu, wieder selten einmütig in der Nase und am Gaumen. Nach einer Stunde ist der Wein da, wo er vermutlich sein soll: sehr saftig mit ordentlich Säure, feines Holz, schöne Frucht. Ich mag die Struktur, weil er nicht so fett ist. Die Säure spielt die erste Geige. Ein Blaufränkisch für Spätburgunderliebhaber (gemacht von einem Cabernet-Trinker, aber das sei ihm verziehen). Der Abgang ist mittellang, der Alkohol (13,5%) unauffällig. Gefällt mir sehr gut – nicht nur, weil er ,für umme‘ ist.

Wenn Schimpansen Rotwein trinken

Deutscher Spätburgunder ist ein aufstrebender Stern am internationalen Weinhimmel. Dies ist zumindest der Eindruck, den Medien, Erzeuger und Händler unisono vermitteln. Und wie jeder Newcomer hat auch der Deutsche Spätburgunder mit Anfeindungen und Vorurteilen zu kämpfen. Dünn und überholzt, mit penetranten Aromen von Erdbeerkompott oder in der Säure zu robust – das sind drei gängige Gegenargumente der Anhänger traditioneller Pinots aus den einschlägigen Herkunftsländern.

Reise nach Jerusalem

Ort des Geschehens: Die Aula der FH Geisenheim

Befürworter und Gegner können diverse Blindverkostungen ins Feld führen, in denen sich wahlweise Deutsche oder Internationale Pinots erheblich besser schlagen als die jeweils andere Fraktion. Wie kann das sein, wo doch die Blindverkostung das unbestechliche Instrument der Wahrheitsfindung in Weinfragen sein soll?

Eine mögliche Antwort auf diese Frage wäre die Verkostervorliebe. Setzte man mir blind 5 gute Rieslinge und 5 ebenso gute Grauburgunder vor, gewännen die Rieslinge, weil mir die Sorte schlicht lieber ist. Sind Deutsche Pinot Noirs eventuell so eindeutig anders in der Stilistik als internationale Vertreter, dass es schlicht darauf ankommt, welchen Stil der jeweilige Verkoster bevorzugt?

Das herauszufinden hatte ich in meiner Weinprobe beim Vinocamp Deutschland vor. Gibt es eine typisch deutsche Note im Spätburgunder? Was, wenn man einer bunten Schar Weinbegeisterter Weine aus allen Ecken der Welt blind vorsetzt – wären Sie in der Lage, die Deutschen Vertreter zu erkennen?

Der Versuchsaufbau

Alle Teilnehmer hatten Weine mitgebracht. Das ergab die stattliche Zahl von 30 Flaschen, aus denen ich 18 auswählte, ohne den Teilnehmern die finale Zusammensetzung des Feldes mitzuteilen. Anschließend öffnete ich alle Weine, füllte zwei Kandidaten mit zu auffälligen Flaschenformen in leere Standardflaschen um und verhüllte die Flaschen. Dann ließ ich eine dritte Person die Flaschen mischen, um selber mitraten zu können. Jeder Tester war angehalten, sich für jeden Wein nach Verkostung ein D zu notieren, wenn er ihn für deutsch hielt, ein I für gefühlte internationale Herkunft. Dazu wollten wir noch auf simple Weise einen Sieger küren. Es galt daher auch, ein Urteil in Form eines Minus (schlechter Wein), einer Null (nicht der Rede Wert) oder eines bis dreier Plusse (gut, sehr gut, groß) zu notieren.

Wissenschaftlich belastbar ist das Ergebnis nicht. Dazu wussten die Teilnehmer zu viel über das, was da im Glas war. Vermutlich hätte man die Verkostertruppe durch verschiedene Parcours jagen müssen, in denen mal mehr, mal weniger und auch mal gar keine Pinots aus Deutschland versteckt sind, um eine belastbare Aussage zu erzielen. Doch sollte man das Ergebnis nicht vollständig trivialisieren.

Die Verkoster

Unter den Teilnehmern fanden sich drei gelernte und ein quereingestiegener Winzer, sowie einige Semiprofis aus Handel und Gastronomie. Die große Mehrheit der Verkoster bezeichnete sich selbst als Spätburgunderliebhaber. Überzeugte Anhänger speziell einheimischer Gewächse waren nur wenige.

Die Weine

Sieben Weine aus Deutschland, elf aus allen Ecken der Welt hatte ich zusammengestellt. Zwei der Weine stammten von teilnehmenden Winzern. Einer war eine Fassprobe, was vielleicht eine kleine Unsauberkeit im Versuchsaufbau war. Die ältesten stammten aus 2005. Preislich waren ausgerechnet die beiden Weine, die das Teilnehmerfeld am meisten beeindruckten auch die günstigsten mit 12€ und 13€. Die teuersten lagen um 35€. Die höchste Quote an richtigen Zuordnungen hatte der Wein, der auch am besten gefiel. Er stammt aus Deutschland.

Rang Erzeuger, Name/Lage, Jahr, Gebiet Herkunft Treffer Wertungs

punkte

1 Burggarten, Spätburgunder Signatur 2009, Ahr D 81,25 % 22
2 August Eser, Mittelheimer St. Nikolaus, Spätburgunder Barrique, 2008 D 56,25 % 21
3 Schubert, Pinot Noir Block B, 2010, Neuseeland I 37,50 % 20
4 Kusterer, Spätburgunder, 2007, Württemberg D 56,25 % 18
5 von der Mark, Pinot Noir ,Hey Jude‘, 2009, Baden D 43,75 % 17
5 Tiefenbrunner, Pinot Nero, Linie Turmhof, 2008, Südtirol I 37,50 % 17
7 Stodden, Recher Herrenberg Spätburgunder unfiltriert, 2007, Ahr D 50,00 % 15
8 Staatskellerei Zürich, Pankraz Pinot Noir Prestige Barrique, 2008, Schweiz I 56,25 % 13
9 Markowitsch, Pinot Noir Reserve, 2005, Österreich I 56,25 % 12
10 Thierry Violot- Guillemard, Pommard Premier Cru, Clos Blanc, 2005, Burgund I 62,50 % 11
11 Dornach, XX, Pinot Nero, IGT Dolomiti, Italien I 37,50 % 10
12 Scott, Pinot Noir Arroyo Seco, 2008, Kalifornien I 56,25 % 9
12 Huber, Spätburgunder Junge Reben, 2005, Baden D 62,50 % 9
14 Dom. Martin, Clos du Roi, Beaune 1er Cru, 2009, Burgund I 81,25 % 8
15 Durst, Handle With Care, 2010 (Fassprobe), Pfalz, Deutschland D 75,00 % 7
16 Schug, Pinot Noir Carneros, 2009, Kalifornien I 43,75 % 6
17 Neumeister, Pinot Noir, 2005, Österreich I 50,00 % 4
17 Thibault Liger- Belair, „les grands chaillots“, 2009, Burgund I 62,50 % 4
 Schnitt 55,90 %

Das Ergebnis

Würde man eine Gruppe von 16 Schimpansen abrichten, Weine zu probieren und anschließend eine von zwei Kärtchen mit einem D oder I darauf hochzuhalten, wäre der Erwartungswert, dass die Schimpansen in 50% der Fälle richtig lägen. Das galt es zu schlagen. Wir haben eine durchschnittliche Trefferquote von 56% erzielt. Das ist ob der kleinen Fallzahl keine aussagekräftige Abweichung.

Zwei mögliche Ergebnisse stehen zur Auswahl: Entweder es gibt gar keinen typisch deutschen Ton im Spätburgunder oder wir sind alle nur Schimpansen…

Auf in den Rheingau

Schickes Logo, oder?Am 17. Und 18. März 2012 treffen sich in Geisenheim über 100 Menschen, die die Lust an Wein und dem Austausch darüber unter Zuhilfenahme elektronischer Medien eint. Wir (ich bin auch dabei) werden ein Barcamp veranstalten, eine sogenannte Unkonferenz. Das ist eine Art Präsentationsringelpiez bei dem jeder angehalten ist, nicht nur zu konsumieren, sondern auch aktiv beizutragen. Wem das jetzt zu sehr nach ‚Alles kann, nichts muss‘ klingt, dem sei versichert: die Klamotten bleiben an.

Teilnehmen am Vinocamp kann im Prinzip jeder, für trockene Alkoholiker oder bekennende Nur-Bier-Trinker könnte sich das Vergnügen jedoch in engen Grenzen halten.  Ein eigenes Blog ist definitiv keine Vorbedingung, allerdings hilft es, wenn man Social Media nicht per se für Spinnkram hält und einen Twitter- oder Facebook-Account hat, den man vielleicht sogar gelegentlich für Weinthemen verwendet.

Da ich keine Vorstellung habe, was ich anderen Menschen als relevantes Konferenzthema anbieten könnte, werde ich beim Vinocamp etwas tun, worin ich richtig gut bin: Korken ziehen und lustige Papphütchen über Flaschen stülpen – ich richte eine Blindverkostung aus. Es geht um eines meiner Lieblingsthemen: Was ist typisch deutsch oder: (Woran) erkennt man einen deutschen Spätburgunder im Vergleich mit Pinot Noirs aus anderen Ländern der Welt. Die zu probierenden Weine werden wir irgendwie zusammentragen. Einig Teilnehmer bringen welche mit, ich sowieso, Winzer wie Thomas Lippert (gleichzeitig Organisator des Camps) stiften eigene Erzeugnisse (Organisator 2, der Würtz, bestimmt auch) und Sponsoren mit Pinot im Programm gibt es auch noch.

Es gibt noch Plätze, sowohl für das Vinocamp insgesamt als auch für meine Verkostung. Ich würde mich freuen, wenn ich alle 20 Plätze verkauft bekomme (im übertragenen Sinne, die Teilnahme an der Veranstaltung ist nämlich kostenlos). Das schönste ist aber die Vorfreude. Bei solchen Blindproben kann ich immer schon Wochen vorher im Geiste meinen Weinkeller durchforsten, was ich denn wohl mitbringen sollte. Ein ganz heißer Kandidat ist dieser hier, den ich im Dezember getrunken habe und den ich ‚irgendwie ganz schön deutsch‘ fand.

Fürst, Centgrafenberg, Frühburgunder, 2005, Franken. Was für eine grausame Nase: ein karger, überholzter Säuerling kündigt sich an, hält man seine Nase ins Glas: Ton, rote Johannisbeere, Holz, und eine grüne Note stechen eher, als dass sie neugierig auf den Wein machen. Doch glücklicherweise hält der Centgrafenberg dieses Versprechen nicht. Am Gaumen präsentiert sich ein straffer, sehr mineralischer, eher kühler Rotwein mit viel Johannisbeere und Pflaume, reichlich Holz, das aber passt. Prägende Säure verleiht dem Wein eine straffe Struktur. Das ist zwar das Gegenteil von mollig aber eben nicht dünn. Glück gehabt, großes sogar, denn dieser Wein ist klasse (bis auf die Nase).

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